Davor und danach und mittendrin

29 Mrz

Es sind schon eine handvoll Wochen vergangen, seitdem ich in Korea bin, und trotzdem ist die Zeit vorbeigerast ohne Ende. Das einzige, woran ich merke, dass die Zeit voranschreitet ist die Frage: „Wie, du bist schon nen Monat hier und kannst noch kein Koreanisch?“

Ne, leider nicht…

Dafür habe ich inzwischen einen Nebenjob, der nächste Woche startet, einen geregelten Stundenplan und die ersten koreanischen Freundschaften bahnen sich auch an. Immerhin etwas.

Ich nehme auch Koreanischstunden, aber nur zweimal die Woche, weswegen meine Fortschritte etwas auf sich warten lassen. Koreanisch lesen und schreiben ist allerdings kein Problem – ein koreanischer Freund meinte mal, jeder könne es innerhalb einer halben Stunde lernen. Dem stimme ich jetzt halbwegs zu😉

In der Joseon Dynastie (1392-1910) wurde von König Sejong die der koreanischen Sprache eigene Schrift konzipiert (Hangul), die die vorher verwendeten chinesischen Schriftzeichen ersetzte. Die sehen so aus:

Bild

und werden zu Worten zusammengesetzt, das dann so aussieht: 안녕하세요 (annyeonghaseyo) – Hallo/guten Tag.

Es ist also quasi wie ein ABC, also ziemlich schnell erlernbar.

Soviel erstmal zu der Sprache.

Die letzten Wochen waren geprägt von Unisachen erledigen, Papierkram erledigen, lesen, lernen, feiern, Essen gehen, schlaaafen…

Am Wochenende war Peter dann in Seoul und wir sind zusammen ein bisschen durch die Stadt geschlendert, was auch schön war. Er hatte auch mehrere geschäftliche Besuche zu erledigen, von denen ich bei zweien mitgekommen bin. Wir haben einen Kameramann/Dokumentarfilmer besucht, der seine eigenen Dokus dreht, schneidet und produziert. Er dreht zwei Dokus pro Jahr und hat schon wirklich alles Mögliche erlebt…

Als zweites besuchten wir das Green Film Festival Seoul, das dieses Jahr sein zehntes Jubiläum feiert. Letztlich wurden wir zum Opening des Festivals eingeladen, zu dem vielleicht sogar ziemlich renommierte Ressigeure kommen (Gus van Sant! Wahhh!).

Ein anderes wirklich interessantes Erlebnis war der Besuch eines Fischmarktes in Seoul, wo man sich den (lebenden) Fisch aussucht und dann zubereitet bekommt und ihn direkt in einem kleinen Restaurant am/im Markt isst, als Sashimi (roher Fisch). Die Reste des Fischs kommen dann in eine Suppe, die man danach isst. Es war wirklich sehr lecker! Und wir haben sogar „lebenden“ Oktopus gegessen, der nach dem „Zubereiten“ (=Zerschneiden) noch ewig lange zuckt und sich bewegt. Schmeckt nicht besonders😉 War aber eine schöne Erfahrung!

Insgesamt ist Seoul wirklich eine tolle Stadt, an jeder Ecke gibt es süße Cafés und klitzekleine Restaurants, in denen man von alten Omas oder Zigarette rauchenden 50jährigen im weißen Schlabbershirt bedient wird; die Stadt leuchtet immer und ist immer wach, irgendwo sitzen immer rund um die Uhr Menschen in Cafes,Restaurant oder Bars und trinken und essen und lachen gemeinsam.

Die Stadt ist mir einfach unheimlich sympathisch – man läuft und geht um die Ecke und auf einmal findet man sich auf einem riesigen Gemüsemarkt zwischen den Häusern, bedeckt von großen Sonnenschirmen und überall das Gefühl in der Luft „Das hier ist Korea!“.

Bild

Bild

BildBildBild

 

3 Wochen später

16 Mrz

Und es fühlt sich schon wieder viel länger an!

Die Uni hat „normal“ angefangen und es gibt nicht wenig zu tun: in fast jedem Kurs werden Präsentationen erwartet und mehrere Essays, neben den Zwischen- und Abschlussprüfungen…

Dazu kommen jede Menge Texte, die es jede Woche zu lesen gilt. Manche Professoren sind dann auch noch am Abfragen und überprüfen, wieviel man von den Texten behalten hat, sodass man ums Lesen eigentlich nicht herum kommt…

Abgesehen davon macht sich der Alltag so langsam breit. Die Uni fängt meist erst um 12 an und dauert so bis 5,6 Uhr. In der Uni kann man theoretisch alle drei Mahlzeiten zu sich nehmen, und viele essen dort zu Mittag und Abend. Essen gehen ist (bzw. kann) wirklich günstig (sein) – für manche Mahlzeit bezahlt man gerade mal 2-3 € und wird davon aber auf jeden Fall satt. Die koreanische Küche ist ziemlich frisch und scharf, insgesamt auch recht gesund. Bis jetzt bin ich ihr noch nicht überdrüssig geworden – im Gegenteil🙂 Aber Brot, Käse und Co vermisse ich schon manchmal.

Das Unileben gleicht bisher schon ziemlich dem in Deutschland, nur das in manchen Kursen 95% der Mitstudenten koreanisch sind😉 Alle sind aber sehr nett und helfen gern. Bis jetzt war es leider etwas schwierig, Koreaner/innen näher kennezulernen, aber es geht voran und morgen gehen wir erstmal mit einer koreanischen Freundin, die zuvor in Fulda studiert hat hiken auf dem Berg „hinter“ unserer Uni, Mt. Bukhansan, der mittem in einem Nationalpark liegt. Endlich mal raus aus der Großstadt😉

Die Uni liegt am Rande des Zentrums von Seoul (aka Downtown) an der Hyehwa Station, nördlich des Han-Flusses, der Seoul durchzieht. Mit der U-Bahn ist man schnell an allen großen Orten und Attraktionen – und das sogar wirklich günstig. Auch Taxifahren ist im Vergleich zu Deutschland seeehr preiswert!

Was es hier nicht gibt und ich arg vermisse ist natürlicher Yoghurt ohne Zucker! Deswegen experimentiere ich gerade mit Yoghurt-selbst-machen und hoffe, dass das Ergebnis essbar ist. So ganz ohne Yoghurt, das geht dann auch wieder nicht…

Nächstes Wochenende kommt mein Freund aus Tokyo nach Seoul und mit ihm möchte ich dann den größten Palast Seouls erkunden, den Cheung-bok Gung. Es gibt anscheinend 5 große Palastanlagen, von denen der Cheung-bog Gung der größte und geschichtsträchtigste ist. Darüber erzähle ich dann nächstes Mal🙂

Bild

 

Gut angekommen!

3 Mrz

Am 25.02 ging es früh morgens los mit der Bahn zum Frankfurter Flughafen und dann um ca. 12 Uhr mit einiger Verspätung los Richtung Abu Dhabi und dann Incheon, Seoul.

Der Flug zog sich ewig lang hin, aber dann kamen wir endlich an, fanden recht schnell unser Gepäck und konnten auch problemlos durch die Immigration. Auch die Bushaltestelle war schnell gefunden und wir kamen nach ca. 30 Stunden Reise endlich in unseren Wohnheimen an.

Meines befindet sich zum Glück direkt am Campus der Uni und die Gebäude sind recht schnell erreicht. 

Meine ersten Eindrücke von Korea bisher waren, dass es Japan in vielen Dingen sehr ähnelt, und dann aber doch wieder ganz anders ist. Viele Feiertage werden ähnlich gefeiert wie in Japan (White Day, Weihnachten, Neujahr,…), das Bahnsystem funktioniert genauso, Seoul sieht Tokyo irgendwo sehr ähnlich, …

Dann wiederum ist das Verhalten der Menschen doch recht anders, die Sprache natürlich anders und vor allem mein Alltag hier gaaanz anders als zuvor in Japan: anstatt einen geregelten Tagesablauf haben wir bis jetzt viel Zeit zum Stadt erkunden, Essen gehen, Besichtigen… :)  

Montag fängt die erste Woche an und ich werde meine Kurse besuchen, gleichzeitig aber auch noch in anderen Kursen sitzen, um bis zu Ende der Woche meinen Stundenplan fertigstellen zu können. 

Unsere Uni ist die Sungkyunkwan University (www.skku.edu), die älteste Uni Koreas (aber nicht die renommierteste ;) ). Sie wurde offiziell 1398 gegründet und es finden sich noch Überreste der alten Schule auf dem Campus. Von der Uni aus ist es nicht weit in die Stadt und alles ist recht schnell (und günstig) erreichbar. 

Bald gibt es mehr Neuigkeiten :)Bild

My last Morning Gathering

18 Aug

This is my last morning gathering at ARI that I shared today. M time is over soon, so I got the chance to share about a topic one more time.

It ’s in English – sorry my German readers😉

 

 

Good morning everyone!

I hope you enjoyed the game and you are awake now🙂

Today is the 18th August and in 12 days I will leave Japan and go back to Germany. My year at ARI will be finished, after I came on August 30st last 2010. This is my fourth Morning Gathering and also my last.

This time, for quite a long time I had a vague idea of what to talk about. The topic is something that came to my mind quite a lot lately and I know I am not the only person thinking about it. The topic of my last Morning Gathering is “Trust”.

Hopefully you enjoyed the game, but if you didn’t cheat and opened your eyes you maybe also felt other feelings next to joy. Like a bit of fear (of bumping into something or falling down). But after some time, did you feel safer? Could you walk more easily and without hesitation? Could you easily follow your leader’s instructions? Did you have trust?

 

Trust is something very big, untouchable, maybe invisible. A bit like radiation😉

Wikipedia says the following about trust:

 

In a social context, trust has several connotations.The typical definition of trustfollows the general intuition about trust and contains such elements as:

  • the willingness of one party (trustor) to rely on the actions of another party (trustee);
  • reasonable expectation (confidence) of the trustor that the trustee will behave in a way beneficial to the trustor;
  • risk of harm to the trustor if the trustee will not behave accordingly; and
  • the absence of trustor’s enforcement or control over actions performed by the trustee.

Trust can be attributed to relationships between people. It can be demonstrated that humans have a natural disposition to trust and to judge trustworthiness […]

When it comes to the relationship between people and technology, the attribution of trust is a matter of dispute. The intentional stancedemonstrates that trust can be validly attributed to human relationships with complex technologies. However, rational reflection leads to the rejection of an ability to trust technological artefacts.

In short, the last part means that there is a basic trust that humans have in technology. But if we really think about it, we know we cannot just trust technology.

 

Who do you trust? Your friends, your family, yourself? Many people trust in prayers and their faith, many people trust in money or in power. In some things we trust knowingly, like friends. For me, I generally trust my friends, but only my closest friends have all my trust.

Trust is something that I feel you have to earn from someone. I feel it’s an honor when I am trusted and someone for example shares his or her story or problems with me. Whether they actually want or need my help, or they just want to get something off their minds, it feels like a great honor.

At the same time, I sometimes find it difficult to trust. Sometimes I feel I cannot trust myself, sometimes I’m not sure whether to trust this or that person. Can I really do this or that? Will he or she disappoint me eventually, use my trust for something bad?

 

If you put trust in someone, you show that person your inner self, your feelings and your weaknesses, your thoughts. It’s a risk, cause this gives the other person a certain power over you. The trustee can use his knowledge to hurt you badly. Finding out that the person you trusted turned in on you feels like someone empties a bucket of boiling water over your head. Maybe you feel embarassed, thinking “Why did I trust that person? How could I be that silly?”, angry at that person as well as yourself, you feel exposed…

Therefore, trust is a mighty weapon. Once you have the trust of someone, you can do many things with that trust.

But it’s not just persons that we trust.

 

In many things we trust unknowingly, I think.

This I realised especially after the earthquake.

Here is a list of things I used to trust in, probably without thinking about it:

      • the ground is about the most solid thing there is
      • maybe not all plans work out, but in general I can always decide what to do, where to go, . . .
      • dangerous things don’t happen to me, only to others
      • nature
      • buildings, society, the way we know the world now, is steady and cannot vanish that easily
      • and finally, nuclear energy is kind of dangerous, but I don’t need to think about it, cause they wouldn’t use it if it was that dangerous, right…?

And these are just a few things I just trust in, probably also take for granted.

This turns out to be wrong now. An earthquake can shake the ground anytime, easily. Buildings are nothing against the force of nature, even the biggest cities. Thousand year old knowledge can get lost within one generation, if it is not passed on. Anything can happen to you at any time.

 

Because of radiation, especially nature is something we cannot trust easily anymore.

 

Around this time last year it was a really hot summer.

The fields were green and full of vegetables. You could see red tomatos growing, purple egg plants as big as my arm during harvest, Komatsuna and Okura, lettuce and corn. The fields were full of crops and vegetables. You could see frogs jumping from leaf to leaf and spiders building their webs among the plants. Above the fields hundreds of dragonflies circling in the air. The chickens would get fresh grass and vegetable in the evening and the pigs would get some soil to eat every now and then. It just felt nice being outside, watching the insects (I am not scared of EVERY insect!) and seeing the mountains from the fields. Everytime we harvested I was astonished at how many vegetables we ended up with and how big and healthy they looked.

Basically, everything was full of life, and it was nice to be in the kitchen and cook the vegetables we had just harvested.

Because I can remember this time and have the image in my mind, seeing the fields now makes me sad. What is growing is mostly soy beans and weeds.

When I look up in the sky, there are nearly no dragonflies circling above our heads.

 

It has become so normal to say “Oh, we cannot eat that.”

Yesterday I read in the newspaper about a father living in Fukushima who had to keep on telling his kids “Don’t eat this. Don’t touch that. Don’t play outside.”

Everything looks the same, smells the same, leaves the same feeling on your skin.

But we cannot trust it, still.

 

It’s just weird to lose trust in the most natural thing there is – nature!

This situation puts not only our trust in nature into question.

Can we trust the food we buy in the supermarket? Does the chef in the restaurant use contaminated fish? Even if it is a restaurant you used to go to for years.

And you don’t want to distrust the people around you! But at some point you have to.

It feels very disencouraging to feel like there’s no safe bridge no matter where you turn to. To constantly question everything around. It’s too much thinking.

In this kind of time, I feel it’s especially important to trust in people. I don’t mean just trust anyone.

But don’t get too paranoid, and stop trusting anyone.

And that is not just now. At any time, there’s people you need to put your trust in. Having someone you feel you can really trust is a thing that can take a lot of weight off your heart.

 

At ARI, I met many people I felt I could trust. So many people who have such strong and pure hearts. One thing that shows that is Morning Gathering. You can speak your mind about your feelings, your struggles, your inner wars. Maybe some people won’t like the topic or have a different opinion. But everyone will respect what you share and thank you for sharing it, cause it is from your heart or your own experience. It’s not just anything.

 

Being here and sharing stories with people I had just met a few months ago was so new and amazing to me. And in general, I think I can trust everyone in this community.

Knowing that I’ll have to go soon makes me really sad, cause I don’t want to not be able see everyone of you each day. I don’t know if I will find people like you to where I’ll move to, people I can trust and work, enjoy, just live with. It’s scary…

… but then again, as I shared in a morning gathering before, one important thing of ARI is leaving. No matter what time I’ll go, it’d be hard every time. But within the year I’ve been here (and also in Germany) I learned thousands of things; knowingly and unknowingly, that I feel motivated to start something new. Start with a new mind, new views and with a feeling that I caught a glimpse of what is really important in life.

 

And even though I’m sad that I am leaving, I have a feeling I’ll be back anyway. I’m not gone forever, and I hope to meet many of you again. Maybe in Japan, maybe in your own country, maybe in Germany? Who knows!

 

The last thing I want to say is: Thank you, all of you. You made the last year, you let me have a thousand experiences, you made me feel as a part of ARI. Eating, working, living, laughing, arguing with you is what made me feel so much at home here. I really feel like I have two homes now.

When I thought of the world before, it was a big, anonymous place that I don’t know anything of. It’s a place with so many countries that face so many challenges, struggle in a thousand ways and it doesn’t seem to go anywhere.

I haven’t seen much of the world. But I have seen you and you shared about your life. Meeting you, listening to your dreams and goals, seeing your ambition and your spirit, of all ARI people. Every single person here.

It gives me a lot of hope for the world.

Thank you for being here, for working here and giving everything that you have, every day.

 

I will finish with a quote by Ernest Hemingway, cause he put it best.

 

>>The best way to find out if you can trust somebody is to trust them. <<

Der August ist da…!

4 Aug

Nach Ewigkeiten melde ich mich mal wieder!

Leider hatte ich wirklich viel zu tun und keine Zeit, Berichte zu schreiben. Inzwischen ist es schon Anfang August, was bedeutet, dass bald das Ende meines Auslandsaufenthaltes ansteht… aber bis dahin ist es noch ein weeenig Zeit.

Es ist August, und wir sind wieder in Nishinasuno, in der Tochigi Präfektur. Wir sind am 28. Juli von Machida in Tokyo zurück zum Ur-ARI, weil der Mietvertrag in Machida auslief und das Training einfach in Nishinasuno weiterlaufen musste, wo es immerhin livestock gibt. Im Gegensatz dazu gab es in Machida nämlich nur Felder, die den Lerneffekt ziemlich eingeschränkt haben.

Ich glaube, alle sind ziemlich froh, wieder beim alten ARI zu sein. Die participants sind beunruhigt wegen der Strahlung und der anhaltenden Nachbeben (am Wochenende hatten wir ein Nachbeben der Stärke 5 um vier Uhr nachts…), aber sehen auch den Vorteil. Das Training wurde dieses Jahr auf November gekürzt, und ist somit noch einen Monat kürzer als es ohnehin schon wegen dem verspäteten Start ist.

Für meinen Teil denke ich leidet das Training im allgemeinen schon, weil es kürzer ist und vieles einbüßen musste. Aber alle geben ihr Bestes um das zu verhindern und so gut wie möglich die Qualität zu erhalten. Und dieses Jahr lernen und erfahren die participants Dinge, die kein Jahrgang vor ihnen erlebt hat: das Gefühl der Machtlosigkeit, weil Tepco die Umwelt vergiftet und das dazu noch von den Steuerzahlern finanzieren lässt; was es bedeutet, wenn ein Land „entwickelt“ ist und welche Gefahren es mit sich bringt. Sie sehen selbst, was hier passiert. Viele sagen nun: „Ich hoffe, dass in meinem Land nie Atomkraftwerke gebaut werden!“, während andere nach ihrer Rückkehr aufklären wollen und gegen Atomkraftwerke-bau demonstrieren wollen.

Wenn ich heute mit letztem Jahr September vergleiche, merke ich, dass es damals viel unbeschwerter war, auch wenn es viel Arbeit gab. Und es hat sich viel verändert: elementare staff members haben ARI dieses Jahr verlassen (nicht wegen dem Erdbeben etc.), es gibt viel weniger volunteers und weniger working visitors. Es ist sicherlich nicht einfach für die participants und staff members, aber man merkt ebenso, wieviel Kampfgeist in allen steckt und wieviel sie auch auf sich genommen haben, um dieses Jahr bei ARI sein zu können.

Manche staff members haben wirklich Bedenken wegen der Strahlung, sind aber trotzdem hier. Alle zeigen eine Menge Mut und Widerstandsfähigkeit, Ausdauer und Durchhaltevermögen, und ich bin froh das miterleben zu können.

Ein ehemaliger volunteer kam dieses Wochenende zurück und besuchte ARI während seines Japanurlaubes und er meinte nur: „Ich weiß nicht ob ARI jemals wieder so wird wie es war, als ich letzten Sommer hier war.“ und dem kann ich nur zustimmen.

Ich glaube es ist möglich, aber es braucht Zeit. Es ist immer noch ARI und man kann dieses ARI-Gefühl immer noch spüren, aber ebenso spürt man, wie die Situation an den Nerven zerrt und immer mehr Probleme auftauchen. Selbst wenn die Strahlung augenblicklick aufhörte ist der Boden kontaminiert und wir essen zur Zeit keinerlei Gemüse vom Feld. In den Kartoffeln, die wir ins Labor geschickt haben, wurde radioaktives Cäsium entdeckt, das eine lange Halbwärtszeit hat.

Aber was Sorgen bereitet ist die Sicht in die Zukunft. Die japanische Regierung hat bestimmte Limits für Gemüse etc. gesetzt, unter denen das Gemüse noch verkauft werden darf.

ARI hat viele Beziehungen zu lokalen Farmern und pflegt diese jährlich, indem es von verschiedenen Futterbestandteile für das Vieh abkauft. Die Farmer erwarten das in der kommenden Zeit natürlich auch, aber ARI weiß, dass das umliegende Land kontaminiert ist und will natürlich nicht schlechte Futterbestandteile aufkaufen und damit das eigene Vieh kontaminieren. Die Farmer rechtfertigen natürlich, dass die Regierung die Güter als OK eingestuft hat und versteht nicht, warum wir es nicht aufkaufen wollen. So wird ARI die ein oder andere Beziehung zu Farmern zerstören müssen. Das klingt vielleicht nicht so schlimm, hat in Japan aber eine viel tiefere Bedeutung als in Deutschland. Auch in Zukunft, wenn vielleicht wieder alles besser ist, werden die Farmer sich daran erinnern.

Und das ist nur ein Beispiel von vielen Problemen, vor denen ARI steht.

Und dennoch, trotz unzähliger Dinge, die allen Sorgen bereiten, lässt sich im Grunde erkennen, dass es trotzdem noch eine Gemeinschaft ist und alle zusammenhalten.

Und ich bin froh, dass ich wenn auch nur für eine kurze Zeit noch einmal zurückkommen und ein bisschen Last abnehmen konnte. Ich war mir eigentlich gar nicht so sicher, ob ich wirklich hilfreich sein werde, aber meine Chefin meinte vor kurzem nur: „Ich wäre gestorben, wenn du nicht zurückgekommen wärst! Danke!“.

Die Zeit vor dem Erdbeben war unbeschwerter und trotz weniger Hände immer noch weniger arbeitsreich als im Moment, aber es ist eine wirklich gute Erfahrung, hier zu sein. Die participants sind starke Charaktere, die wirklich Willen zeigen. Ein participant aus Indonesien sagte in seinem morning gathering: „Selbst wenn es unter uns solche gibt, die nicht hier sein wollen und Angst haben. Wir machen dieses Training nicht für uns, sondern für unsere Familie, unsere Freunde, unser Dorf. Und schon allein deshalb müssen wir hier hin kommen und es auf uns nehmen, dass es so viel Ungewissheit gibt. Weil es nicht für uns selbst ist.“

Alles in allem ist es sicherlich für alle hier nicht einfach, aber es geht weiter. Ich bin jedenfalls froh, dass ich am Wochenende vier Tage Urlaub mache und nach Kyoto fahre…🙂 Und ich melde mich danach wieder.

Liebe Grüße aus Japan,

Frauke

Die Hälfte..!

11 Jul

Die Hälfte der Zeit ist schon fast rum!😦

Im Vergleich zu meinem ersten Bericht hat sich nicht viel geändert, muss ich dazu sagen. Ich arbeite im Büro und in der Küche (vor allem in der Küche) und fahre am Wochenende meist nach Tokyo.

Die Regenzeit ist vorbei und das heißt, dass es tropisch heiß und schwül ist und man nicht wirklich lange in der Sonne überleben kann😀 Die meisten Japaner schaffen es trotzdem relativ unberührt (=nicht schwitzend) durch den Tag zu gehen während mir Wasserfälle das Gesicht runterlaufen und ich rot anlaufe als hätte ich einen Marathon gelaufen. Und das schon nach 5 Minuten.

Dennoch ist es ein schönes Wetter, bei dem man nicht anders kann als Sommerlaune haben🙂

Das Wort des Sommers ist dieses Jahr wirklich „setsuden“, was so viel heißt wie „Energie sparen“. Überall sieht man Fächer mit dem Slogan drauf und viele Läden und Züge weisen darauf hin, dass aufgrund des setsuden die Klimaanlage bzw. aircondition nur auf halber Stärke läuft.Der Sommer wird sogar „setsuden no natsu“ genannt, Sommer des Energiesparens😀

Warum Energie sparen? Weil im Moment viele Kraftwerke vom Netz genommen wurden um sie auf ihre Sicherheit zu überprüfen oder weil sie in einem Gebiet stehen, in dem es bei einem Nachbeben zu Komplikationen führen kann. Derzeit sind glaube ich etwa 10 von den mehr als 50 Kraftwerken in Japan also nicht angeschlossen.

Da ich keinen Vergleichssommer habe, fällt mir das nicht so wirklich auf, aber Japaner sagen schon, dass Tokyo z.B. vieeel dunkler ist als sonst (in der Nacht).

Was ARI betrifft, so wird der Ersatzcampus in TOkyo Ende des Monats beendet und alles zieht mit Sack und Pack zurück nach Nishinasuno. Am 28. startet dort dann das Training bzw. wird dort forgesetzt.

Bis dahin muss aber noch viel geplant, aufgeräumt und geputzt werden und es ist noch ein biiiisschen Zeit. Ich bin jedenfalls froh, dass es bald wieder zurück geht🙂 Dann sind es aber auch nur noch ein wenig mehr als einen Monat, bis ich meine Rückreise schon wieder antrete…

Bald berichte ich mehr Neues (oder Altes) aus Japan🙂

Der erste Bericht

17 Jun

Hier gibt’s den ersten Bericht  , viel Spaß damit!🙂

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.