Der August ist da…!

4 Aug

Nach Ewigkeiten melde ich mich mal wieder!

Leider hatte ich wirklich viel zu tun und keine Zeit, Berichte zu schreiben. Inzwischen ist es schon Anfang August, was bedeutet, dass bald das Ende meines Auslandsaufenthaltes ansteht… aber bis dahin ist es noch ein weeenig Zeit.

Es ist August, und wir sind wieder in Nishinasuno, in der Tochigi Präfektur. Wir sind am 28. Juli von Machida in Tokyo zurück zum Ur-ARI, weil der Mietvertrag in Machida auslief und das Training einfach in Nishinasuno weiterlaufen musste, wo es immerhin livestock gibt. Im Gegensatz dazu gab es in Machida nämlich nur Felder, die den Lerneffekt ziemlich eingeschränkt haben.

Ich glaube, alle sind ziemlich froh, wieder beim alten ARI zu sein. Die participants sind beunruhigt wegen der Strahlung und der anhaltenden Nachbeben (am Wochenende hatten wir ein Nachbeben der Stärke 5 um vier Uhr nachts…), aber sehen auch den Vorteil. Das Training wurde dieses Jahr auf November gekürzt, und ist somit noch einen Monat kürzer als es ohnehin schon wegen dem verspäteten Start ist.

Für meinen Teil denke ich leidet das Training im allgemeinen schon, weil es kürzer ist und vieles einbüßen musste. Aber alle geben ihr Bestes um das zu verhindern und so gut wie möglich die Qualität zu erhalten. Und dieses Jahr lernen und erfahren die participants Dinge, die kein Jahrgang vor ihnen erlebt hat: das Gefühl der Machtlosigkeit, weil Tepco die Umwelt vergiftet und das dazu noch von den Steuerzahlern finanzieren lässt; was es bedeutet, wenn ein Land „entwickelt“ ist und welche Gefahren es mit sich bringt. Sie sehen selbst, was hier passiert. Viele sagen nun: „Ich hoffe, dass in meinem Land nie Atomkraftwerke gebaut werden!“, während andere nach ihrer Rückkehr aufklären wollen und gegen Atomkraftwerke-bau demonstrieren wollen.

Wenn ich heute mit letztem Jahr September vergleiche, merke ich, dass es damals viel unbeschwerter war, auch wenn es viel Arbeit gab. Und es hat sich viel verändert: elementare staff members haben ARI dieses Jahr verlassen (nicht wegen dem Erdbeben etc.), es gibt viel weniger volunteers und weniger working visitors. Es ist sicherlich nicht einfach für die participants und staff members, aber man merkt ebenso, wieviel Kampfgeist in allen steckt und wieviel sie auch auf sich genommen haben, um dieses Jahr bei ARI sein zu können.

Manche staff members haben wirklich Bedenken wegen der Strahlung, sind aber trotzdem hier. Alle zeigen eine Menge Mut und Widerstandsfähigkeit, Ausdauer und Durchhaltevermögen, und ich bin froh das miterleben zu können.

Ein ehemaliger volunteer kam dieses Wochenende zurück und besuchte ARI während seines Japanurlaubes und er meinte nur: „Ich weiß nicht ob ARI jemals wieder so wird wie es war, als ich letzten Sommer hier war.“ und dem kann ich nur zustimmen.

Ich glaube es ist möglich, aber es braucht Zeit. Es ist immer noch ARI und man kann dieses ARI-Gefühl immer noch spüren, aber ebenso spürt man, wie die Situation an den Nerven zerrt und immer mehr Probleme auftauchen. Selbst wenn die Strahlung augenblicklick aufhörte ist der Boden kontaminiert und wir essen zur Zeit keinerlei Gemüse vom Feld. In den Kartoffeln, die wir ins Labor geschickt haben, wurde radioaktives Cäsium entdeckt, das eine lange Halbwärtszeit hat.

Aber was Sorgen bereitet ist die Sicht in die Zukunft. Die japanische Regierung hat bestimmte Limits für Gemüse etc. gesetzt, unter denen das Gemüse noch verkauft werden darf.

ARI hat viele Beziehungen zu lokalen Farmern und pflegt diese jährlich, indem es von verschiedenen Futterbestandteile für das Vieh abkauft. Die Farmer erwarten das in der kommenden Zeit natürlich auch, aber ARI weiß, dass das umliegende Land kontaminiert ist und will natürlich nicht schlechte Futterbestandteile aufkaufen und damit das eigene Vieh kontaminieren. Die Farmer rechtfertigen natürlich, dass die Regierung die Güter als OK eingestuft hat und versteht nicht, warum wir es nicht aufkaufen wollen. So wird ARI die ein oder andere Beziehung zu Farmern zerstören müssen. Das klingt vielleicht nicht so schlimm, hat in Japan aber eine viel tiefere Bedeutung als in Deutschland. Auch in Zukunft, wenn vielleicht wieder alles besser ist, werden die Farmer sich daran erinnern.

Und das ist nur ein Beispiel von vielen Problemen, vor denen ARI steht.

Und dennoch, trotz unzähliger Dinge, die allen Sorgen bereiten, lässt sich im Grunde erkennen, dass es trotzdem noch eine Gemeinschaft ist und alle zusammenhalten.

Und ich bin froh, dass ich wenn auch nur für eine kurze Zeit noch einmal zurückkommen und ein bisschen Last abnehmen konnte. Ich war mir eigentlich gar nicht so sicher, ob ich wirklich hilfreich sein werde, aber meine Chefin meinte vor kurzem nur: „Ich wäre gestorben, wenn du nicht zurückgekommen wärst! Danke!“.

Die Zeit vor dem Erdbeben war unbeschwerter und trotz weniger Hände immer noch weniger arbeitsreich als im Moment, aber es ist eine wirklich gute Erfahrung, hier zu sein. Die participants sind starke Charaktere, die wirklich Willen zeigen. Ein participant aus Indonesien sagte in seinem morning gathering: „Selbst wenn es unter uns solche gibt, die nicht hier sein wollen und Angst haben. Wir machen dieses Training nicht für uns, sondern für unsere Familie, unsere Freunde, unser Dorf. Und schon allein deshalb müssen wir hier hin kommen und es auf uns nehmen, dass es so viel Ungewissheit gibt. Weil es nicht für uns selbst ist.“

Alles in allem ist es sicherlich für alle hier nicht einfach, aber es geht weiter. Ich bin jedenfalls froh, dass ich am Wochenende vier Tage Urlaub mache und nach Kyoto fahre… 🙂 Und ich melde mich danach wieder.

Liebe Grüße aus Japan,

Frauke

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